US SEC: Interactive Data - XBRL - auf dem offiziellen Weg zum mandatory reporting (Teil 4)

US Securities and Exchange Commission legt Proposal für das Pflichtreporting mittels “Interactive Data” vor
Die US Securities and Exchange Commission hat am 30. Mai 2008 formell den Proposal für das Pflichtreporting mittels interaktiver Daten – XBRL – vorgelegt. Dabei geht die Commission inhaltlich in einigen Punkten sogar weiter als bislang diskutiert, beispielsweise weiter als die Empfehlungen des eigenen Advisory Committee on Improvements to Financial Reporting (CIFiR) vom 14. Februar 2008.
Kernpunkt ist, dass sämtliche – inländische wie ausländische – Einreicher (Filer) zukünftig XBRL-Berichte bei der SEC und auf der unternehmenseigenen Website einstellen müssen. Der Einführungszeitraum beginnt mit den Jahresabschlüssen zum Ende des Jahres 2008 und endet mit den Jahresabschlüssen zum Ende des Jahres 2010. Betroffen sind alle Unternehmen, soweit diese Financial Statements nach den US-GAAP oder IFRS („as issued by the IASB“) erstellen. Im dreijährigen Einführungszeitraum werden die Unternehmen in drei Gruppen mit folgenden XBRL-Reporting-Fristen eingeteilt.

1.    Gruppe:
Domestic und foreign large accelerated filers,
nach U.S. GAAP bilanzierend,
mit einem worldwide public common equity float von mehr als 5 Milliarden US$.

Frist und betroffener Abschluss:
Fiscal Periods, die am oder nach dem 15. Dezember 2008 enden.

2.    Gruppe:
Alle übrigen domestic and foreign large accelerated filers, die nach U.S. GAAP bilanzieren

Frist und betroffener Abschluss:
Fiscal Periods, die am oder nach dem 15. Dezember 2009 enden.

3.    Gruppe:
Alle U.S. GAAP bilanzierenden Unternehmen sowie alle foreign private issuers die nach IFRS bilanzieren (IFRS as issued by the IASB)
Frist und betroffener Abschluss:
Fiscal Periods, die am oder nach dem 15. Dezember 2010 enden

Daneben gelten folgende Regelungen:

    • Die XBRL-Daten müssen auf der Website des Unternehmens zeitnah publiziert werden; ergänzend zur Einreichung bei der SEC. Ein Link auf die Veröffentlichung auf der Website der US SEC reicht nicht aus.
    • Der Proposal ändert nicht die bestehenden Regelungen zum „traditional format filing“. Die XBRL-Berichte sind zusätzlich zu erstellen.
    • Zu den oben genannten Terminen müssen die Unternehmen sämtliche Berichtspositionen der Financial Statements sowie der „any applicable financial statement schedules“ den einzelnen XBRL-Positionen zu ordnen („Mapping“). Dazu zählen insbesondere: Statement of Financial Position (Bilanz), Income Statement, Statement of Comprehensive Income, Statement of Cash Flows und Statement of Owner’s equity. Allerdings können grundsätzlich “financial statement footnotes“ und „financial statement schedules“ anfangs als “block of text” eingereicht werden, beide sollen nach einem Jahr ebenfalls im Detail den XBRL-Positionen zugeordnet werden.
    • Hinsichtlich der Haftung wurde folgender Kompromiss entwickelt:
      • Die Haftung des bisherigen Filings ändert sich nicht (§ 232.406 (a))
      • XBRL Daten, die auf der SEC Website mittels deren Software einsehbar sind, unterliegen einer ähnlich umfassenden Haftung wie die bisherige Filings. (§ 232.406 (b) „Liability for Interactive Data in Viewable Form“)
      • Die eingereichten XBRL-Dateien unterliegen einer geringeren Haftung, ähnlich wie bei dem bisherigen Voluntary Filing Program (§ 232.406 (c) „Liability for Interactive Data File“).
    • Im ersten und zweiten Jahr wird eine Schonfrist von je 30 Tagen für die Erstellung des „Interactive Data Exhibit“ eingeräumt.

Die US SEC wünscht sich, dass IFRS bilanzierende Foreign Private Issuers schon vorab und innerhalb der nächsten Jahre XBRL Abschlüsse abliefern. Diese werden dann unter die neuen Regelungen und nicht unter die Regelungen des Voluntary Filing Programs fallen.

Der vorliegende Proposal geht u.a. in folgenden Punkten über die bisher diskutierten Regelungen hinaus:

    • Ursprünglich hatte die CIFiR empfohlen, dass während des zweiten Jahres die SEC evaluiert, ob und wann auf ein offizielles Filing von XBRL Daten umgestellt wird. Diese Empfehlung befolgt die SEC nicht. Die SEC geht davon aus, dass ein verlässlicher Zeitplan für alle Beteiligten – auch die betroffenen Unternehmen –  letztendlich vorteilhafter ist, beispielsweise bezüglich Funktionalität von Software und Kosten von Software.
    • Die SEC rechnet mit einer größeren Anzahl von anfangs betroffenen XBRL Einreichern.
    • Die CIFiR hatte eine haftungsrechtlich weniger verbindliche Einreichung von XBRL-Daten vorgeschlagen („furnished to and not filed with the SEC“). Eine solche Regelung hätte jedoch die Verlässlichkeit der Daten und den Nutzen beispielsweise von Investment Professionals reduziert. Der oben genannte Kompromiss bietet nun zumindest für die wesentlichen Daten die nötige Verlässlichkeit soweit es sich um Daten im Sinne der Regelung „Liability for Interactive Data in Viewable Form“ handelt.

Die US SEC fordert zu Stellungnahmen bis zum 1. August 2008 auf.

Dr. Bodo Kesselmeyer, CPA
München, den 7. Juni 2008

P.S. Sprechen Sie mit uns über die neuen Regelungen im Detail und informieren Sie sich über die anuboXBRL SEC-Filing Workshops (Implementierungsstrategien, German Extension IFRS XBRL Taxonomy).
Quelle:
US-SEC, Proposed Rule, Interactive Data to Improve Financial Reporting, Release Nos. 33-8924, 34-57896; 39-2455; IC-28293, File No. S7-11-08, May 30 2008.