Zukünftiger European Single Access Point (ESAP) – Richtlinienentwurf der EU Kommission

Zukünftiger European Single Access Point (ESAP) – Richtlinienentwurf der EU Kommission

In der vergangenen Woche, am 25.11.2021, hat die EU Kommission ein umfassendes Massnahmenpaket verabschiedet mit dem Ziel die Transparenz von Firmen- und Handelsdaten zu verbessern. Ein Bestandteil dieses Maßnahmenpaketes sind die nun vorliegenden Richtlinienentwürfe zum European Single Access Point (ESAP). Unter anderem soll hier eine zentrale Zugriffsmöglichkeit auf die verpflichtenden ESEF-Jahresfinanzberichte aller kapitalmarktorientierten Unternehmen in der EU geschaffen werden. Zudem ist das neue Portal auch für die zentrale zukünftige Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsdaten (ESG-Daten) vorgesehen.

Mit diesem EU-Portal wird die neue Strategie flankiert, Daten in strukturierter Form maschinenlesbar bereitzustellen und dies mit einer visuellen Darstellung der Daten zu verknüpfen (xHTML, inlineXBRL).

ESAP soll im Jahr 2024 unter Verantwortung der European Securities and Markets Authority (ESMA) in Betrieb gehen.

Quellen:

EU – Maßnahmenpaket sustainable finance

EU – Maßnahmenpaket sustainable finance

Die Europäische Kommission hat am 21. April 2021 ein Maßnahmenpaket verabschiedet, das dazu beitragen soll, den Geldfluss für nachhaltige Aktivitäten in der gesamten Europäischen Union zu verbessern.

    • EU Taxonomy Climate Delegated Act:
      Dieser zielt darauf ab, nachhaltige Investitionen zu unterstützen, indem definiert wird, welche Wirtschaftstätigkeiten am meisten zur Erreichung der Umweltziele der EU beitragen. [Anmerkung: Der Begriff Taxonomy wird hier NICHT im Sinne des Begriffs „XBRL-Taxonomie“ verwendet]
    • Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD, Entwurf) Ein Vorschlag für eine Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD). Dieser Vorschlag zielt darauf ab, den Fluss von Nachhaltigkeitsinformationen an Finanzunternehmen und Investoren zu verbessern  (vergleichbare und zuverlässige Nachhaltigkeitsinformationen)
    • Schließlich sollen sechs delegierte Änderungsgesetze über Treuhandpflichten, Anlage- und Versicherungsberatung sicherstellen, dass Finanzunternehmen, z.B. Berater, Vermögensverwalter oder Versicherer, Nachhaltigkeitsinformationen in ihre Verfahren und ihre Anlageberatung für Kunden einbeziehen.

Von besonderer Bedeutung ist, dass die Zielgruppe der von der Corporate Sustainability Reporting Directive betroffenen Unternehmen weit über die Europa an den Börsen gelisteten Unternehmen (etwa knapp 6000) hinausgeht und auch „größere“ Unternehmen – angeblich etwa 50.000 Unternehmen – betrifft (mehr Informationen).

Quelle: Europäische Kommission, Pressemitteilung „Sustainable Finance and EU Taxonomy: Commission takes further steps to channel money towards sustainable activities@, 21.04.2021, https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_21_1804

EU-Kommission: Richtlinienvorschlag zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen

EU-Kommission: Richtlinienvorschlag zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen

Die Kommission hat einen Vorschlag für eine Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) angenommen, die die bestehenden Berichtspflichten nach der „non-financial reporting directive“ ändern würde. Der Richtlinienvorschlag

    • erweitert den Anwendungsbereich auf alle großen Unternehmen (mehr als 500 Mitarbeiter) sowie alle Unternehmen, die an geregelten Märkten notiert sind (außer börsennotierte Kleinstunternehmen),
    • erfordert die Prüfung der gemeldeten Informationen,
    • führt detailliertere Berichtspflichten und eine Berichtspflicht nach den verbindlichen EU-Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung ein,
    • verlangt die Informationen in digitaler Form – „digital tagging“ – , damit sie maschinenlesbar sind. In der Richtlinie wird dabei explizit auf das eingeführte „digital tagging“ im Rahmen der Finanzberichtsdaten mit ESEF – European Single Electronic Format Bezug genommen (siehe Richtlinie aaO, Fußnote 15).

Nach diesem Vorschlag wird die zukünftige Nachhaltigkeitsberichterstattung auf der technologischen Grundlage von iXBRL/ESEF erfolgen (Richtlinienentwurf, siehe Randziffer 48 sowie Artikel 19d).

Die Veröffentlichung der Nachhaltigkeitsberichterstattung soll zentral über den neuen European Single Access Point (ESAP) erfolgen.

Quelle: EU-Kommission, Mitteilung Sustainable finance package, 21.04.2021, https://ec.europa.eu/info/publications/210421-sustainable-finance-communication_en; EU-Kommission, Richtlinienentwurf, 21.04.2021, https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/PDF/?uri=CELEX:52021PC0189&from=EN

DVFA-Stellungnahme zur Konsultation der EU-Kommission „European Single Access Point (ESAP)“ – 2021

DVFA-Stellungnahme zur Konsultation der EU-Kommission „European Single Access Point (ESAP)“ – 2021

Zur Konsultation der der EU-Kommission im Januar 2021 zur Errichtung eines „European single access point (ESAP) for financial and non-financial information publicly disclosed by companies“ hat die DVFA e.V. Stellung genommen. Die Kommission Unternehmensananlyse, der auch ich angehöre, hat dazu eingehend Stellung genommen.  Die Stellungnahmen der verschiedenen Stakeholder sind auf der Website der EU-Kommission  abrufbar.

Ausschnitt unserer Stellungnahme: 

Actually, it is relatively inefficient to use regulators` portals to gather information. Therefore financial analyzer are avoiding using such portals. In order to radically increase the transparency of capital market information, automation is one key – among others. This means that ESAP should provide appropriate interfaces to access ESAP by computer programs and to download the information automatically.


In addition, we recommend the EU commission to carefully investigate actual ESEF-obstacles. For example, „valid ESEF data“ is another key to increase capital market transparency in the EU. However today ESEF data usably are not NOT VALIDATED at the OEMs. Although this is technically possible. validation (for example XBRL-validation) is mandatory for filing XBRL reports at the US SEC, since it`s beginning . At this point, one key obstacle is that the ESEF mandate does NOT include a mandate for the OEM to validate ESEF data. In addition, the technical implementation could be simplified by setting up a „open source ESEF validation engine“, which OEM have to integrate in to their national platforms. This would guarantee valid data, using the same validation rules EU-wide. In addition, this would be cost efficient for OEMs.

CESR: Möglicher Zeitplan für das XBRL-IFRS reporting in Europa – Konsultation

CESR: Möglicher Zeitplan für das XBRL-IFRS reporting in Europa – Konsultation

Im Consultation Paper (CESR/10-719c, July 2010) erhebt das Committee of European Securities Regulators (CESR) den Meinungsstand über einen europaweiten Zugriff auf die Finanzdaten von börsennotierten Unternehmen. Es geht dabei um eine Vernetzung der nationalen OAMs (officially appointed mechanisms for the central storage of regulated information), die in Deutschland vom Unternehmensregister wahrgenommen wird, bzw. um die Errichtung einer einzigen europäischen OAM als zentraler Zugang zu den Finanzdaten.

Zu diesem Zweck könnte XBRL verwendet werden. CESR hatte bereits Ende 2009 einen Call for Evidence veröffentlicht. Dessen Ergebnisse werden im vorliegenden Consultation Document zusammengefasst.

CESR teilt nun im vorliegenden Consultation Paper mit, dass es beabsichtigt eine Kosten-Nutzen-Analyse zu erheben und dabei den Übergang auf eine verpflichtende XBRL-Filings zu untersuchen. Dieser Übergang auf XBRL würde mit einer Vorbereitungsphase von 3 Jahren beginnen und mit einem Voluntary Filing Program von zwei Jahren abschließen. Gegenstand der Filings ist die laufende IFRS-Finanzberichterstattung nach der Transparenzrichtlinie. CESR beabsichtigt im Jahr 2011 dazu ein weiteres Consultation Paper zu veröffentlichen.

Der Verband XBRL Europe wird zum vorliegenden Consultation Paper wieder eine Stellungnahme einreichen. Die Stellungnahme wird beim nächsten XBRL Europe Day am 22. September 2010 in Paris durch die IFRS Arbeitsgruppe des Verbandes XBRL Europe finalisiert. Mitglieder des XBRL Deutschland e.V. können an der Veranstaltung teilnehmen.

Quelle: Committee of European Securities Regulators, Consultation Paper – Development of Pan-European Access to Financial Information Disclosed by Listed Companies, CESR/10-719c, July 2010

Hintergrund:
Der Autor, Bodo Kesselmeyer, leitet die IFRS Arbeitsgruppe des Verbandes XBRL Europe. Ziel ist die Nutzung von XBRL für die europaweite IFRS-Berichterstattung zu fördern. Die Europäische Besonderheit liegt in den zusätzlichen nationalen Regeln (z.B. in Deutschland: HGB, AktG, WpHG etc) zur Berichterstattung börsennotierter Unternehmen, die über den Inhalt der IAS/IFRS hinausgehen. Die XBRL Technologie könnte sogar eine weitgehende Vergleichbarkeit dieser Informationen ermöglichen. Allerdings hängt dies davon ab, wie die nationalen Erweiterungen der IFRS-Taxonomie technologisch und inhaltlich gestaltet werden. Über diesen Harmonisierungsbedarf informieren wir zur Zeit die EU-Kommission, CESR und die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) etwa mittels Stellungnahmen und aber auch Teilnahme an den Sitzungen der relevanten Arbeitsgruppen.